Schillernde Augenblicke: Nützliche Snacks für Kreative

Wenn Du meinen erst kürzlich begonnenen Gedichtband Seelenfährten kennst, sind Dir schillernde Augenblicke bereits ein Begriff: In Form von Gedichten beschreibe ich besonders einprägsame, auf seltsame Weise inspirierende Momente. Wie Du Dich solchen Momenten selbst öffnest und wie sie Dein kreatives Fabulieren unterstützen, verrate ich Dir in diesem Beitrag.


Jeder Moment in unserem Leben ist einzigartig. Manche Momente scheinen eine Ewigkeit anzudauern – manches Mal auf eine schöne Art und Weise, manchmal auf eine überaus unangenehme. Andere Momente verlieren sich kaum länger als einen Lidschlag in den Fängen unserer Wahrnehmung. Darüber hinaus verfügt jeder Moment über seinen eigenen Klang und seinen eigenen Farbton.

Schillernde Augenblicke sind dabei jene Momente unseres Lebens, die etwas (selten Greifbares) in uns auslösen. Sie können unsere Aufmerksamkeit wecken, unser Herz berühren und unseren eingeschlafenen Geist wachrütteln. Es sind jene Momente, die unseren Gedankenstrom spalten und uns gedanklich sowie sensorisch für kurze Zeit in ihren Bann ziehen.

Eindrucksvoller Augenblick - Erstes Schneeglöckchen
Einen eindrucksvollen Augenblick sollten wir nicht nur festhalten. Wir sollten im Trab unseres Lebens Halt machen und dem Augenblick gewähren, seine Wirkung zu entfalten und uns zu überraschen.

Aus den Augen, aus dem Sinn!

Unter dem Tag #Seelenfährten auf meinem Blog sowie in meinem Gedichtband auf Wattpad habe ich bereits einige Gedichte veröffentlicht, die meinem Verständnis von schillernden Augenblicken entsprechen. Mein letzter Beitrag für diesen Gedichtband liegt genau einen Monat zurück.

Dies bedeutet zwei Dinge: Zum einen war ich mit sämtlichen herkömmlichen Pflichten derart beschäftigt, dass mir – plump gesagt – die Zeit fehlte, nach der Arbeit oder am Wochenende zu schreiben. Doch auch im Bus war es mir nicht möglich, mein Notizbuch zu beglücken. Warum? Weil mir ein Buch nach dem anderen in die Hände gefallen ist!

Erst der letzte Satz des Romans katapultierte mich zurück in die Sphäre unmittelbarer Inspirationen. Und als ich meinen Blick von der Seite löste, hielt besagter Satz Wort:

„Oh boy“, he said. „Have I got a surprise in store for you…“

Quantick, David: All My Colors. London: Titan Books 2019, S. 284.

Die Überraschung setzte – wie versprochen – direkt ein: Ich fing meinen nächsten schillernden Augenblick. Ich beobachtete einen Raben.


Mit einem unbeholfenen Satz landet …

… der Rabe auf dem Asphalt neben einem weiß gesprühten Fahrbahnstreifen. In einer Bewegung, die mehr einem Zucken als einem Schütteln gleicht, legt er seine Flügel an und beginnt, zu den Tauben hinüberzustaksen, die kurz vor ihm den Pfad zwielichtiger Leckereien erreicht haben. Sein Stolz scheint sich kaum in seiner Brust halten zu können, als er die viel zu großen Füßchen vorwärts bewegt.

Den Tauben entlockt er allenfalls ein verwirrtes Schaudern. Sie bemühen sich ohne Umschweife eines schnelleren Schrittes, während sie immer wieder nervöse Blicke über ihre gefiederten Schultern schleudern. Selbst den menschlichen Passanten scheinen sie mehr Vertrauen zu schenken.

Der Rabe betrachtet stattdessen unbeirrt – wie die Tauben selbst, wenn sie sich gütlich tun – eine Zigarette nach der anderen und pickt sämtliche Scheinkost vom Boden. Die neugierigen Blicke ignoriert das stolze Jungtier geflissentlich. Niemand verliert ein Wort, als es hinter der Hauswand verschwindet und sich dem Kurzzeitgedächtnis vieler entzieht.


Immer der Nase nach: So findest Du schillernde Augenblicke!

Zahlreiche schillernde Augenblicke offenbaren sich im unmittelbaren Alltag. Oft erkennen wir sie, indem sie das sonst so Gewöhnliche plötzlich magisch oder wenigstens erstaunlich erscheinen lassen. Doch wir begegnen diesen Momenten nicht nur in unserem Alltag! Auch in Träumen können uns jene Augenblicke erreichen.

Es spielt keine Rolle, wo Du Dich gerade aufhältst. Selbst die Dusche kann ein Ort voller Wunder sein. Es geht nämlich nicht um den geographischen Ort, sondern um Dich! Du selbst bist gleichzeitig Ausgang und Bedingung für das Erleben schillernder Augenblicke. Es sind Deine Offenheit und Deine Sinne, die sie aufspüren.

Wenn Du Dich jedoch (wie ich) tief in den Seiten eines Buches vertiefst oder Dich an den neuesten Twitter-Beiträgen erfreust, bemerkst Du nicht, was um Dich herum geschieht. Auch während Du in Gedanken aus dem Fenster starrst, kannst Du das ein oder andere übersehen.

Aufmerksamkeit ist der Anfang aller Magie.

Wir tendieren dazu, unsere Zeit auszufüllen. Oft wird der Blick aus dem Fenster gegen den Blick auf das Smartphone getauscht. Und auch das ruhige, in sich gekehrte Atmen wird von rasenden Gedanken überschattet: Habe ich daran gedacht, die Terrassentür abzuschließen? Ich hätte doch den pinken Pulli anziehen sollen. Dieselbe Strecke zur Arbeit kommt dem nicht entgegen. Wo soll uns schon das Besondere im Alltag begegnen?

Für mich begann alles damit, dass ich eines schönen Tages (damals noch auf dem Weg zur Universität) dachte: Ach, was soll’s! Zu dieser Zeit las ich regelmäßig während der Busfahrt (wie es sich als Studentin der Literatur gehört) und war auch während der Fußwege mehr auf das Ziel als auf den Weg konzentriert. Irgendwann brauchte ich eine Pause. Ich begann, aus dem Fenster zu sehen und einen Gang hinunterzuschalten. Ich ließ mich mehr treiben als antreiben.

Du musst Dich keineswegs zur Aufmerksamkeit zwingen. Das Einzige, das Du dann bemerken wirst, ist Dein Unmut, möglicherweise noch ein Zwicken am Bein, vermutlich sogar einen leichten Kopfschmerz. Lasse Dich treiben. Beobachte Deinen Atem und Deine unmittelbare Umgebung, ohne auf der Lauer zu liegen. Sei geduldig, erfreue Dich Deines Lebens und die schillernden Augenblicke werden sich vor Deinem Auge entfalten.

Vor meinem Auge
Fließt der Strom der Gegenwart,
Einen Schritt entfernt.

Naomi Oelker, Haiku vom 8. Mai 2019

Wozu brauchen wir schillernde Augenblicke?

Wozu das Ganze? Das ist eine berechtigte Frage. Wir Kreativen stehen ständig vor der Herausforderung, kreativ zu bleiben. Nicht allen gelingt es, im stillen Kämmerchen die Ideen wie am Laufband zu produzieren und in idealer Kombination zu einem Meisterwerk zu verweben.

Schillernde Augenblicke setzen etwas in unserem Inneren in Bewegung. Sie sind in der Lage, Verknüpfungen zu schmieden, wenn wir einen kreativen Engpass erleiden, und sie regen uns zum Nachdenken an, wenn wir zu sehr in unserem gewohnten Denken verharren. Natürlich können sie uns Ideen für Gedichte oder Geschichten liefern. Sie mögen uns aber auch einen Beginn aufzeigen oder eine Lücke füllen, die länger in unserem Manuskript klaffte.

Schillernde Augenblicke sind dementsprechend nicht nur Inspiration, sondern auch Motivation. Darüber hinaus sorgen sie für die tägliche kreative Praxis: die Wertschätzung von Ereignissen und potenziellen Handlungsverläufen, dessen Zerstückelung in unzählige Einzelteile und schließlich deren neuartiges Vereinen. Schillernde Augenblicke setzen die nötigen Impulse in uns frei.

Somit ist mein Fazit …

… nach meinen Wiedereinstieg ins fröhliche Tippen: Schillernde Augenblicke, die die Säfte des kreativen Schaffens erst so richtig fließen lassen, findest Du nur dann, wenn Du Dich der Welt öffnest und in ihr (wie in einem guten Buch) mit sanfter Neugierde schmökerst. Lasse Dich überraschen. Es warten noch viele unvergleichliche Momente auf Dich!

Das Beste daran? Du kannst diese Momente als Rohmaterial für Deine Kreationen nutzen. Und nicht nur das! Hast Du etwas gefunden, mit dem Du beginnen kannst, kommt der Rest von ganz allein. Ein schillernder Augenblick könnte Dein Motivationsschub sein!

Du blickst noch immer auf Deinen Bildschirm?

Bist Du bereit für ein kleines Experiment? Löse Deinen Blick JETZT und siehe Dich um! Fällt Dir etwas Besonderes auf? Und erzähle mir nicht, um Dich herum geschehe nichts Aufregendes, nichts Erwähnenswertes!

Das Geheimnis schillernder Momente ist das Bewusstsein, sich im Geiste überall und nirgendwo aufzuhalten. Und wenn Du Dir dessen bewusst bist, kannst Du umgehend etwas daran ändern. Deine Umgebung hat Dir viel zu bieten. Du musst ihr nur die Chance dazu geben.

Über Naomi

Schon während meines Masterstudiums in Literatur- und Sprachwissenschaft begann ich, meine ersten Ideen zu präzisieren und meine Begeisterung in das wundersame Terrain der Spiritualität fließen zu lassen. Parallel zu meiner damaligen Tätigkeit als kreative Texterin entdeckte ich schnell die Brücke, die Kreativität und Spiritualität miteinander verbindet. Heute habe ich meinem Herzenswunsch nachgegeben und lebe mein kreatives Dasein sowohl als Volontärin in der Verlagsredaktion als auch bei der Umsetzung meiner eigenen Visionen, Ideen und Flausen, wie Du unschwer erkennen kannst! ;-)

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