Kreativität und ihre wahre Bedeutung

Kreativität. Oft gehört. Oft gebraucht. Doch was bedeutet dieses Wort wirklich? Meist etikettieren wir jene Menschen mit diesem selten konkret erfassten Begriff, wenn sie künstlerisch aktiv sind, zeichnen oder schreiben und somit ihre eigenen (Kunst-)Werke ins Leben rufen. Wir fragen uns: „Wie kommt dieser Mensch bloß auf solche Ideen?“ Nicht selten folgt der Gedanke: „Auf solche Ideen käme ich nie!“

Um dies jedoch behaupten zu können, müssen wir zunächst mehr über die Kreativität wissen. Aus diesem Grund zeige ich Dir in diesem Beitrag, was meine angestellten Recherchen zum Begriff ergeben haben. Weiterhin zeige ich Dir, dass Du nicht zum nächsten Stephen King mutieren musst, um kreativ zu sein. Oder zum nächsten Leonardo da Vinci, wenn wir schon einmal dabei sind!

Wie der Begriff ist Kreativität selbst nicht in derart konkrete Muster zu sperren. Stattdessen ist es vielmehr die Kreativität, die rankenartig ihre Arme ausstreckt und sich tief in Deinem Leben verwurzelt, es umgibt und strukturiert. Kreativität kann sich überall befinden: in Erzeugnissen gleich welcher Art, in alltäglichen Dingen, in Gedanken und Gefühlen.

Ganz recht! Bereits ein Gedanke stellt eine Schöpfung dar. Positive sowie negative Gedanken können bspw. Deinen Gemütszustand verändern. Einfach so! Und wenn Du es zulässt, setzt Dein Gedanke eine Handlung in Gang, die zu einem Ergebnis, einer weiteren Schöpfung, führt. Wirst Du Dir dessen bewusst, nenne ich das gelebte Kreativität!

Beleuchtete und im Schatten liegende Spuren der Kreativität
Einige Spuren, die zur Kreativität führen, sind beleuchtet und von allen Menschen leicht erkennbar. Anderen Spuren, die durch Blickfänger im kühlen Schatten verharren, müssen wir buchstäblich auf den Grund gehen.

Kreativität zwischen Forschung und Mythos

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt Kreativität als etwas Schöpferisches, das nicht erklärbar ist und in den Bereich des Göttlichen und des Genies gehört[1]. Dies führte zu Mystifizierungen, zu Glaubenssätzen, die heute weitgehend widerlegt wurden. Dadurch und durch die Tatsache, dass Kreativität zu jenem Zeitpunkt als Unteraspekt der Intelligenz verstanden wurde, kam zunächst alle Aufmerksamkeit der Intelligenzforschung zu.

Erst vor Kurzem war es dem jungen Forschungszweig der Kreativitätsforschung möglich[1], sich durchzusetzen. Diese verfolgt das Ziel, sämtliche Faktoren und Prozesse zu ergründen, die Kreativität bilden. Richtig spannend. Des Raumes wegen werde ich mich jedoch auf die für uns relevanten Aspekte konzentrieren. Angefangen mit einem Aspekt, den ich zuvor schon erwähnte: den Orten, an denen Du der Kreativität begegnest.

Hast Du schon einmal etwas vom Singularitätsmythos gehört? Nein? Ich bin mir sicher, dass er Dir bestens bekannt ist:

Kreativität kommt nur in künstlerischen Bereichen vor.

CreaPedia (2015)

Lass uns in die kreative Welt einsteigen, indem ich zunächst diesen sehr weit verbreiteten Mythos revidiere. Denn …

Kreativität umgibt Dich!

Verstehe mich nicht falsch: Selbstverständlich fallen alle künstlerischen und neu schaffenden Berufe und Freizeitaktivitäten in den Bereich der Kreativität. Dies ist auch ein Hauptgrund für mein Aufgreifen der Kreativität auf meiner Webseite, denn ich liebe es zu schreiben.

Doch auch in anderen beruflichen Feldern ist Kreativität zu finden. Recruiter suchen händeringend auf Bewerberprofilen nach ihr. Nämlich für jene freien Stellen, die von ihren zukünftigen Besetzungen Lösungen, Ideen und sogar ganze Richtungswechsel verlangen: bei der Entwicklung von Produkten, beim Aufbau neuer Unternehmensstrategien usw. Wenn Du Dich einmal in Deiner beruflichen Umgebung umschaust, wirst Du auf viele weitere Beispiele stoßen.

Neben den in der Freizeit leidenschaftlich ausgeübten Hobbys steckt auch Dein Alltag voller Kreativität und ist somit nicht ausschließlich an Hobbys oder Berufe gebunden. Dabei kann es sich um Deine Urlaubsplanung oder die Gestaltung Deiner Wohnung handeln. Du musst sogar über ein gewisses Maß an Kreativität verfügen, um Deinen Alltag bestreiten zu können[2], wie Ward et al. hervorheben. Spätestens dann, wenn es gilt, in mehr oder weniger brenzligen Situationen Dein Improvisationskönnen unter Beweis zu stellen.

Es wäre sicher interessant, einmal darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn wir uns nicht mehr über unsere Berufe – unsere Brotjobs – definierten („Ich bin Angestellte einer Technologiefirma.“), sondern über unsere inneren Leidenschaften („Ich bin Künstlerin!“). Welch ein Unterschied, findest Du nicht?

Was macht einen kreativen Menschen aus?

Wie wir eben festgestellt haben, meinen wir mit kreativen Menschen meist Künstler und Erfinder. Insbesondere Querdenker sind derzeit „voll im Kommen“. Unsere Zuordnung basiert dabei auf bestimmten Eigenschaften[3][4], anhand derer wir die Kreativität dieser Menschen zu erkennen glauben:

  • Die Erzeugnisse kreativer Menschen empfinden wir als bahnbrechend und originell.
  • Kreative Menschen sind spontan und eigenständig.
  • Sie sind prinzipiell neugierig und offen für Neues.
  • Es fällt ihnen leicht, Probleme zu finden und diese zu lösen.
  • Ihr Denken verläuft nicht gradlinig, sondern kreuz und quer. Durch die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven nachzuvollziehen, scheint selbst das Unmögliche möglich. Sie weichen gerne von Normen und Regeln ab.
  • Dass sie aufgrund ihres unkonventionellen Handelns dem Wahnsinn nahe sind, ist ein veralteter Mythos. Es sind gerade die willensstarken, hartnäckigen und risikobereiten Menschen, die durchhalten und ihre kreativen Bemühungen umsetzen. Und dazu gehört eine Menge Selbstvertrauen und Mut.
  • Und obwohl sie durchaus eigenbrötlerisch sein können, wissen sie durch ihr kreatives Schöpfen deutlich zu kommunizieren.

Diesen Eigenschaften zufolge ist es das Ziel kreativer Menschen, ihre Flausen, Ideen und Visionen in die Tat umzusetzen. Dass sie hierfür die Logik um die Fantasie erweitern müssen, leuchtet ihnen ein.

Dein Freund im Wald, das unsichtbare Genie Deiner Kreativität
Warum setzen wir uns dem Druck anderer aus, Genie zu sein, obwohl es uns doch ein Leichtes wäre, unseren gleichnamigen (und unsichtbaren) Freund zum Ideenaustausch einzuladen?

Wir nennen sie auch Genies.

Doch was bedeutet es, ein „Genie“ zu sein? Das Universalwörterbuch Duden[5] nennt das Genie eine „überragende schöpferische Begabung, Geisteskraft [und einen] Mensch mit überragender schöpferischer Begabung, Geisteskraft“. Das Metzler Lexikon[6] definiert den Begriff des Genies ähnlich. Hier ist es eine „Befähigung zu außergewöhnlichem, schöpferischen, erfinderischen oder gestalterischen Handeln“ oder eine Person, die „über diese Befähigung verfügt und sie realisiert“.

Diese Definitionen beziehen sich auf das Individuum. Ganz schön viel Verantwortung für so ein alleinstehendes Genie, oder? Das war nicht immer so. Ursprünglich entsprang diese überragende schöpferische Geisteskraft einer vom Menschen losgelösten Entität[7], einem „der Person beigegebene[n] göttliche[n] Geist“[6], worauf das lateinische Wort genius verweist. Dieser versorgte den kreativ schaffenden Menschen fortwährend mit Ideen. Während die alten Griechen diese Entitäten als Dämonen bezeichneten[7], sprachen die Römer später vom Genie.

Jeder Kreative hatte ein Genie, das ihn mit mehr oder weniger genialen Ideen versorgte. Waren die kreativen Werke des Menschen nicht von Erfolg gekrönt, verfügte er eben über ein einfallsloses Genie. Ein Druck seitens des Menschen bestand jedoch nicht. Erst mit dem rationalen Humanismus wurde das Genie dem Menschen einverleibt. Seitdem ist es etwas Angeborenes[6], das ingenium.

Das Wort „Kreativität“ stammt …

… stattdessen vom lateinischen „creare“ ab[8], das so viel wie „erzeugen“ und „schaffen“ bedeutet. Ausgehend vom Bereich der Theologie bezieht es sich auf den Schöpfergott „Creator“. Dieser wird in diesem Zusammenhang als ein Subjekt, der „aus Nichts etwas Neues erschafft“[9], verstanden.

Heute verwenden wir den Begriff häufig synonym für „neu“, „originell“ oder „ungewöhnlich“. Dementsprechend nutzen wir den Begriff der „Kreativität“ zur Bewertung anderer (Werke), wie Lange-Eichenbaum 1928 erklärt[9]. Demnach gibt es keinen allgemeingültigen Maßstab für kreatives Schaffen, zumal eine Bewertung als rein subjektiv zu deuten ist. Hinzu tritt der ethische Aspekt einer solchen Bewertung: Tätern – welchem Bereich sie auch angehören – kann etwas Zerstörerisches durchaus kreativ bzw. genial erscheinen. Auch wenn wir das anders sehen.

An der Definition des Universalwörterbuchs Duden ist zu sehen, dass die Kreativität den Raum des Göttlichen wieder verlassen hat und sich auf das Innere des Menschen ausrichtet: Der Duden bezeichnet die Kreativität als eine „schöpferische Kraft[10], als ein „kreatives Vermögen“. Kreativ ist jemand, der „schöpferisch“ ist, Ideen hat und diese „gestaltend verwirklich[t]“. Die Kreation ist dabei seine „Schöpfung“, aber auch das aktive „Kreieren, Erschaffen“.

Aktivität als kreativer Schlüssel

Kreativität entspringt dieser Definition zufolge einem schöpferischen Potenzial und wird von einer Kraft angetrieben, die sich im Inneren des Menschen zusammenbraut. Von R. W. Weisberg um 1989 erfahren wir zudem, dass sich Kreativität in all unseren Denkprozessen aufhält[9], somit auch einem (inneren) Gedanken etwas Kreatives innewohnt. Kreativität kann sich demnach erst dann entfalten und etwas zustande bringen, wenn sich der Mensch in einem aktiven Geisteszustand befindet und sein schöpferisches Potenzial anrührt.

Der kreative Mensch muss aktiv werden und seine Idee mithilfe einer kreativen Handlung in Gang setzen. Wenn Du selbst bereits kreativ bist, ist Dir bestimmt aufgefallen, wie die Ideen fließen, wenn Du erst einmal begonnen hast! Aktives Handeln setzt somit kreative Prozesse frei. Wenn diese Grenze einmal überschritten ist, gibt es beinahe keine Grenze mehr, die nicht zu überschreiten wäre.

Kreativität, die Energie Deines Geistes
Auf die Idee folgt ein überwältigender Drang, ein geistiger Energieschub, der freigesetzt werden will.

Gewohnheit aber langweilt Deinen Geist.

Welch ein Glück die Freiheit der Grenzüberschreitung auslösen könnte … Wir sprechen nicht ohne Grund von BeGEISTerung! Dein Geist liebt und braucht Dein kreatives Wirken. Wann hast Du Dich das letzte Mal etwas gewagt? Mit der Kreativität gelingt Dir der Sprung aus dem Gewohnten ins Neue hinein. Anders umschrieben:

Kreativität ist nichts anderes, als eine ausgebaute Straße zu verlassen, um neue Wege zu suchen.

Willy Meurer

Bei dieser ausgebauten Straße handelt es sich unter anderem um Deine Gewohnheiten oder alten Denkmuster, aus denen Du heraustrittst, um „neue Wege“ zu erkunden. Dies nennen wir neuerdings auch „Querdenken“[11], was im Englischen mit „outside the box“ übersetzt wird. Die „box“ ist der Raum, in dem wir in alten Denkmodellen baden. Dort herauszuschwimmen, ist nicht immer leicht. Doch einmal geschafft, befinden wir uns im „outside“, auf einem neuen Weg.

Im Grunde eröffnet Dir die Kreativität die Möglichkeit, Neues zu erkunden und dem inneren Drang Deines Herzens zu folgen. Mit ein wenig Aufmerksamkeit gelingt es Dir, einschränkende Muster ausfindig zu machen und jene Wege zu entdecken, auf denen Du schon immer einmal wandeln wolltest. Vertraue Deinem Geist! Was ihm gefällt, gefällt auch Dir.

Bereit, der Norm auf kreative Weise zu trotzen?

Kreativität befindet sich außerhalb vorgegebener Regeln[9]. Erst, wenn Du den um sich greifenden Ideen und Veränderungen eines aktuellen Zustands offen gegenübertreten kannst, wirst Du sie wahrnehmen. Kreativität ist somit auch ein Weg der Bewusstwerdung der Dinge außerhalb eines gesellschaftlichen Rahmens, der vorgibt, wie Du zu denken hast, und Deiner Gewohnheit, denn Gewohnheit stiehlt Dir Deinen Scharfsinn.

Wenn Du Dich jedoch weiterhin an Deine gewohnten Muster klammerst, verweigerst Du Dich Deiner kreativen Zapfsäule und gleichsam jenem inneren Drang, der Deine Herzenswünsche umzusetzen wünscht. Irgendwann sind sie so zugeschüttet, dass Du sie nicht mehr erkennst. Was Du stattdessen bemerkst, ist die brodelnde Unzufriedenheit unter der Oberfläche.

Oft entsteht ein neues, kreatives Bewusstsein durch eine Krise[12] und setzt an der Unzufriedenheit der betreffenden Person an. Diese wird gezwungen umzudenken. Während eines intensiven Moments erlaubt die Person der Kreativität, der als kümmerlich empfundenen Existenz ein Ende zu setzen. Der kreative Prozess wird ins Rollen gebracht. Ein Ereignis, das eine solche Wirkung ausübt, nennen wir übrigens auch leichthin Stolperstein. Eine interessante Liste der häufigsten Wendepunkte hat Diana Ludwig zusammengestellt.

Kreativität: Deine Fahrt ins Glück

Indem sich die Kreativität weigert, Deine Unzufriedenheit länger zu erdulden, und Dir somit einen liebevollen Schubs verpasst, haftet ihr das Potenzial an, Dich glücklich zu machen[12]. Und dies nicht nur, weil das gewonnene Material, das Du aus Krisensituationen erschließt, zu hohen Verkaufszahlen führen kann, sondern weil Kreativität Dir Freiheit und Flexibilität im eigenen Tun beschert.

Dabei liegt ihr Kern weniger im Naiven angesiedelt, sondern fordert Dein Verantwortungsbewusstsein heraus. Insbesondere dann, wenn Du Dich dazu entscheidest, von Deiner eigenen Kreativität leben zu wollen und Dein eigenes „Ding“ zu drehen. Kreativität kitzelt Deine Begeisterung, stellt Dich vor spannende Herausforderungen und fokussiert Deine Gedankenströme auf positive Art und Weise.

Kreativität speist von Deiner Individualität.

Wie die Kreativität sind Wünsche individuell und zeigen sich nur dann, wenn Du es ihnen erlaubst und Dich für sie öffnest. Jeder Mensch wünscht sich etwas. Und auch, wenn sich einige Wünsche ähneln, stellt sich jeder seinen Wunsch ein wenig anders vor. Somit ist ein Wunsch etwas ganz Besonderes. Er beginnt als Flause, wechselt zur Idee und wird früher oder später zur Vision. Diese spornt wiederum Deine Kreativität an.

Zudem wäre es äußerst langweilig, wenn jeder seinen Wunsch im kreativen Zustand auf die gleiche Art und Weise umsetzen würde. Auch hier meldet sich Deine Individualität. In Deinem Geist verbinden sich die Gedankenströme auf andere Weise als bei anderen Menschen: Du nimmst Dinge anders wahr und erschaffst Dein Werk nach Deiner eigenen Interpretation dieser Wahrnehmung mit Deinen eigenen Techniken und Eigenarten. Dies macht Dein kreatives Schaffen zu etwas Individuellem und Einzigartigem.

Individuelle Kreativität lässt sich durch Natur fördern
Im Wald können wir nicht nur unsere müden Geister erfrischen, sondern gleichsam einen Einblick in unser tiefstes Selbst erhaschen. In unserer Individualität finden wir Inspiration.

Originalität dagegen ist Geschmackssache.

Dein kreatives, individuelles Schaffen kann natürlich auch originell sein. Originalität hat jedoch etwas mit Deinem Geschmack zu tun und mit Deinem menschlichen Befinden, etwas schon einmal gesehen zu haben oder damit, überrascht zu werden.

Meistens zeichnet sich die Originalität durch Deinen unmittelbaren Erfolg ab. Hier geht es darum, etwas zu schaffen, das niemand je zuvor geschaffen hat oder darum, das Geschaffene auf eine völlig neuartige Weise zu präsentieren. Wir Menschen verzehren uns nach dieser Art von Sensation.

In erster Linie sollte es jedoch darum gehen, etwas zu schaffen, das direkt Deinem Herzen entspringt und Dir selbst gefällt. Sicherlich kann es hilfreich sein, Trends zu recherchieren, den Markt zu beobachten[13] und die eigenen Werke des Erfolgs wegen nach den Ergebnissen auszurichten. Ich bin jedoch der Meinung, dass Du nur dann andere Menschen begeistern kannst, wenn Dein Werk auch Dich begeistert. Nur dann, wenn es aus den Tiefen Deiner Seele kommt und Du es mit aller Ehrlichkeit materialisierst, berührst Du andere. Somit beginnt Deine kreative Suche zunächst bei Dir.

Empirie als Unterstützung des kreativen Prozesses

In der Kreativitätsforschung hat sich ein recht junger Zweig herausgebildet[11], der davon ausgeht, dass wir das bereits Gelernte und Erfahrene weiterverwenden, indem wir es neu formen und neu verknüpfen. Im Bereich des Kreativen geschieht dies oft auf ungewöhnliche Weise.

Je mehr wir wissen, desto leichter fällt es uns, Lücken zwischen einzelnen Konzepten und Ideen zu schließen, und damit die Lösung für ein Problem zu definieren, auf die bisher niemand sonst gekommen ist.

Maximilian Reichlin (2015)

Interessant ist hierbei, dass die Erfahrungen das Denken nicht dominieren, sondern sich der kreativ Schaffende offen für Neues zeigt und beides zu kombinieren wagt.

Manche Ideen ergeben sich gerade deshalb, weil wir auf einen Teil unserer Erfahrung zurückgreifen können. In einem Beispiel, das ich bereits an anderer Stelle anführte, wusste Marina ihren Pfeifentabak zu einem Duftsäckchen umzufunktionieren. Diese Idee entspringt einer neuartigen Verknüpfung zweier Aspekte, die ihrer Erfahrung entstammen. Durch ihre Erfahrung weiß sie zunächst, dass der Tabak himmlisch duftet. Eine weitere Erfahrung legt ihr nahe, dass sich ein Duftmangel in ihrem Gäste-WC befindet. Und schwupps: Die Idee für das Duftsäckchen ist geboren.

Die Kreativität auf einer Waldbank ungehindert fließen lassen
Auf einer Bank mitten im Wald lassen sich die erschöpften Glieder nicht nur erholen. In der Stille lassen sich Körper und Geist zu einer schöpferischen Kraft verbinden. Und die Gedanken fließen ungehindert.

Wie Du siehst, steckt in dem kleinen Begriff „Kreativität“ eine Menge: die Verknüpfung verschiedener Elemente und Erfahrungen, Wünsche und Mythen, der Ausdruck von Individualität und Originalität, Offenheit und Glück, Begeisterung und Aktivität, Spontaneität und Risikobereitschaft und nicht zuletzt das Geniale und Grenzüberschreitende.

Doch wofür ist es eigentlich gut?

Sehen wir zunächst von dem Potenzial, selbst glücklich zu werden, ab. Warum solltest Du Dir die Mühe machen, all diese Dinge zu tun? Und selbst wenn es Spaß macht, hat es dann Bedeutung? Vielleicht fragst Du Dich, ob Dein Tun einen Sinn verfolgt, wenn Du damit nicht gerade Menschen heilst oder dafür sorgst, dass Menschen weiterhin Zugang zu Lebensmitteln erhalten.

Kreativität wird zurzeit häufiger, wie auch bei Sternberg & Lubart um 1999, mit der Schöpfung von etwas Neuem und Nützlichem, etwas Sinnhaftigem definiert. Um Kreativität soll es sich somit weniger um ein Luxusgut handeln[12], sondern um eine Kreation, von der jeder profitieren kann und die zu einem zufriedeneren und erfolgreicheren Leben führt.

Kreativität kann sowohl in künstlerischen als auch in anderen Bereichen einen Nutzen bereithalten. Menschen müssen dafür nicht zwangsläufig mit Büchern (oder anderer Kunst) etwas anzufangen wissen. Mit ein paar Beispielen will ich Dir zeigen, wie Kreativität auf andere Menschen wirken kann.

Förderliche Beispiele für Kreativität

Eine Kundin, die auf einen Mitarbeiter im Kundensupport trifft, der es auf einfallsreiche Weise versteht, ihr zu helfen, wird sehr glücklich aus dem Telefonat hervorgehen. Im Gegensatz dazu wird der Chef einer Firma, die gerade eine schwerwiegende Fehlinvestition getätigt hat, jedoch durch einen Mitarbeiter auf eine kreative Lösung aufmerksam gemacht wurde, die das Unternehmen rettet, nachts gut schlafen können.

Ein Kunstkenner wird das in der Galerie hängende Bild seines Lieblingskünstlers sehr zu schätzen wissen, da er sich nicht nur in seinem Anblick verliert, sondern von Gefühlen getroffen wird, die ihn über Dinge aus seinem eigenen Leben sinnieren lassen. Und vielleicht ermutigt ihn das Kunstwerk, doch mit seiner Tochter in Kontakt zu treten, die er seit 2 Jahren nicht gesehen hat.

Ein Buch kann den Leser nicht nur seine Traurigkeit für kurze Zeit vergessen lassen, sondern diesen auch zum Nachdenken anregen. Geschichten, die wir aus unserem Leben erzählen, geben anderen Menschen Mut. Diese Menschen sehen zum Beispiel, dass auch andere es nicht leicht haben bzw. hatten und fühlen sich nicht mehr so alleingelassen. Oder sie lernen, andere zu verstehen, weil sie das Buch als eine Perspektive einer anderen Person wahrnehmen können.

Kreativität als genauer Blick
Mit einem genauen Blick finden wir die Bedeutungen in all den großen und kleinen Dingen.

Bei fiktionalen Romanen …

… steht oft eine Aussage im Vordergrund. Diese Autoren bieten nicht nur eine alternative Realität an, in der alles „besser“ ist, sondern können Deinen Horizont erweitern, indem sie Dir buchstäblich zeigen, dass alles möglich ist. Und dass, egal wohin Du gehst oder des Nachts im Traume reist, Du immer noch mit allem verbunden bist, denn auch in alternativen Universen gibt es Schicksalsschläge, Abenteuer und Liebe.

Zudem sind es gerade die abstrakteren Werke, die Dich herausfordern, Dich zum Nachdenken zwingen und Dich „mitfiebern“ lassen, was Dich in einen aktiven Geisteszustand befördert. Für Dein eigenes kreatives Heranreifen ist dies sehr wichtig. In vielerlei Hinsicht können fiktionale Geschichten wertvolle Impulsgeber sein.

Somit sind auch Texte wertvoll. Mit Worten transportieren wir Wertschätzung und Liebe, erweitern unseren Horizont und geben anderen eine Stimme. Das Wichtigste ist jedoch Dein Glück. Nur, wenn Dich das, was Du tust, beglückt, kannst Du andere mit Deinem Tun beglücken.

Im Zeitalter der Kreativität

Das bedeutet auch, dass Du mit Deiner Kreativität Impulse aussenden kannst[14], die einen unmittelbaren Einfluss auf (einzelne Glieder von) Kultur und Gesellschaft ausüben. Und damit meine ich nicht aus Langeweile entstandene Posts auf Social-Media-Plattformen, sondern jenes Geteilte, das aus dem Herzen gereift ist. Durch Likes und andere Formen des Social Sharings erreichst Du mit Deinen Gedanken Menschen, die über diese Mittel Deine Kreativität bewerten.

Viele Likes und Shares zeigen das kreative Empfinden heutiger Menschen an. Ob diese Bewertungen gerechtfertigt sind oder nicht, ist eine Frage für einen anderen Raum. Jedoch können soziale Medien Deine Möglichkeit sein, gesehen zu werden. Und wenn Du nur einen Menschen erreichst und dessen Denken bereicherst, hast Du etwas Wertvolles in Gang gesetzt.

Gleichsam wirst Du dadurch einem größeren Publikum ausgesetzt und somit dem Urteil tausender Menschen. Gerade zu Beginn, wenn Du Deine Kreationen – Dich selbst – das erste Mal zeigst, können negative Urteile einschüchternd auf Dich wirken und Dich dazu veranlassen, Dich wieder zurückzuziehen[4]. Es gilt, Deiner zeitweise verlernten Kreativität wieder vollständig zu vertrauen. Das ist unsere heutige Herausforderung.

Geteilte Kreativität zweier Wesen
Die Tatsache, dass sich Kreativität teilen und gegenseitig beflügeln lässt, beweist, dass jedem Menschen ein kreativer Funke innewohnt.

Jeder kann kreativ sein!

Wie Tania Konnerth und mit ihr viele andere erkannt haben, verfügt jeder Mensch über kreative Anlagen[15]. Sie stellt heraus, dass wir als Kind alle kreativ waren, zum Beispiel beim fantasiereichen Spielen und Malen. Das Training dieser Anlagen darf jedoch nicht vernachlässigt werden, damit die Kreativität später nicht verkümmert.

Nach all meinen Recherchen und dem, was ich verspüre, wenn ich kreativ tätig bin, ist Kreativität ein aktiver Geisteszustand, der an den dem Menschen natürlichen, kreativen Anlagen anknüpft und dabei gleichzeitig aus der Erfahrung greift und das im Moment Geschehende zu sinnvollen Produkten auf die dem Menschen eigene Weise zusammenfügt.

Meiner Meinung nach muss das Neuartige nicht genannt werden, da wir so einzigartig sind, dass kein Werk – wirklich – dem anderen gleicht, selbst wenn wir es versuchen. Eine Schöpfung ist immer auch etwas Neues. Genauso wenig halte ich es für nötig, die Kreativität mit der Nützlichkeit auszustatten, da jeder kreativ Wirkende, der aus dem Herzen schafft, (ungeahnt) einen Sinn verfolgt.

Offen bleibt die Frage nach der eigentlichen Herkunft der Kreativität: Entstammt sie einer externen Wesenheit oder unserem eigenen Geist? Oder gar dem Göttlichen selbst? Diese Frage lässt sich, wie ich finde, nur durch den Glauben einleuchtend erklären. Gerne werde ich dies zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgreifen. Da kommen mir bereits einige Ideen …

Was denkst Du?

Wie hast Du Kreativität bisher empfunden? Was macht sie für Dich aus? Welche Eingebungen, Handlungen und Situationen beschreibst Du als kreativ? Ich bin gespannt!

Im nächsten Schritt …

… zeige ich Dir, wie Du Deine eigene kreative Seite entdeckst.


[1] Vgl. Kreativitätsforschung. In: CreaPedia. Die Kreativ-Enzyklopädie (Online), Stand: 18.01.2017.

[2] Vgl. Fanselow, Carola: Kreativität – Ein Überblick. Studienarbeit (Online). 2004, S.20.

[3] Vgl. Kreative Menschen. Was zeichnet kreative Menschen aus? In: Die Ideeologen. Informationsmanagement für Weiterspringer (Online), Stand: 03.2019. Informationen dieser Quelle wurden für den gesamten Abschnitt herangezogen.

[4] Vgl. Thormann, Heike: Was ist Kreativität? Mit welchen Eigenschaften kann man sie fördern? In: Kreatives Denken (Online), Stand: 2010.

[5] Dudenredaktion (Hrsg.): Genie. In: Duden. Deutsches Universalwörterbuch. 7. überarbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, Zürich: Duden 2011, S. 700. Auch alle folgenden Direktzitate bis zur nächsten Quellenangabe im Absatz beziehen sich auf diese Quelle.

[6] Burdorf, Dieter et al. (Hrsg.): Genie. In: Metzler Lexikon. Literatur. 3. Auflage. Stuttgart: J.B.Metzler 2007, S. 274. Auch alle folgenden Direktzitate bis zum Ende des Absatzes beziehen sich auf diese Quelle.

[7] Vgl. Gilbert, Elizabeth: Über Genies. In: TED (YouTube-Video, 19:28), Stand: 2009.

[8] Vgl. Holm-Hadulla, Rainer Matthias: Kreativität. Konzept und Lebensstil. 3., unveränderte Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2007, S. 22.

[9] Vgl. Brodbeck, Karl-Heinz: Neue Trends in der Kreativitätsforschung. In: Psychologie in Österreich 4&5 (2006), 26, S. 246-53.

[10] Dudenredaktion (Hrsg.): Kreativität. In: Duden. Deutsches Universalwörterbuch. 7. überarbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, Zürich: Duden 2011, S. 1055. Auch alle folgenden Direktzitate bis zum Ende des Absatzes beziehen sich auf diese Quelle.

[11] Vgl. Reichlin, Maximilian: Kreativität – Was ist das eigentlich? Uni (Online), Stand: 01.12.2015.

[12] Vgl. Noack, Karsten: Wie ist der Zusammenhang von Kreativität und Zufriedenheit? Welchen Beitrag liefert Kreativität tatsächlich? In: Karsten Noack (Online), Stand: 28.02.2019.

[13] Vgl. Gesing, Fritz: Den Markt beobachten! In: Kreativ schreiben. Handwerk und Techniken des Erzählens. Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. Köln: DuMont 2014, S. 21-5.

[14] Vgl. Ihnenfeldt, Eva: Was ist eigentlich „Kreativität“ – und warum ist Kreativität so wichtig? In: Steady News (Online), Stand: 2012.

[15] Vgl. Konnerth, Tania: Wofür wir Kreativität brauchen. In: Kreativität: Was Ihnen dabei hilft, kreativ zu sein. Zeit zu leben (Online), Stand: 03.2019.

Über Naomi

Schon während meines Masterstudiums in Literatur- und Sprachwissenschaft begann ich, meine ersten Ideen zu präzisieren und meine Begeisterung in das wundersame Terrain der Spiritualität fließen zu lassen. Parallel zu meiner damaligen Tätigkeit als kreative Texterin entdeckte ich schnell die Brücke, die Kreativität und Spiritualität miteinander verbindet. Heute habe ich meinem Herzenswunsch nachgegeben und setze meine eigenen Visionen, Ideen und Flausen um, wie Du unschwer erkennen kannst! ;-)

Einen Kommentar hinzufügen

Fülle zum Teilen Deiner Gedanken alle Pflichtfelder (*) aus. Beachte, dass Du mit dem Verfassen Deines Kommentars meiner Datenschutzerklärung zustimmst und in die Erfassung und Verarbeitung Deiner eingegebenen Daten einwilligst.