Buchrezensionen heute: Nutzen und Genutztwerden

Es gibt viele Möglichkeiten, den eigenen Gedankenhorizont zu erweitern. Eine dieser Möglichkeiten ist das Lesen von Büchern. Wir können lesen, um uns weiterzubilden, um eine Lösung für ein Problem zu finden oder um uns zu unterhalten und zu entspannen. Damit all diese Möglichkeiten in unseren Augen erfolgreich erscheinen, müssen wir zunächst einmal die richtigen Bücher finden. Es gibt jedoch so viele Bücher zu den einzelnen Themen, dass wir ein wenig Hilfe brauchen. Und da kommen die Buchrezensionen ins Spiel.

In diesem Beitrag werde ich Dir anhand von drei Umfragen, die ich auf meinem Twitter-Account veranstaltet habe, zeigen, dass Buchrezensionen auch heute noch gerne gelesen werden und aus welchen Gründen. Zudem wird Thema sein, ob dies auch auf englischsprachige Rezensionen zutrifft und nach welchen Kriterien Ausschau gehalten wird.

Erkundungsschiffe per Umfrage
Manche Erkundungsschiffe verweilen auf der Suche nach Indizien ein wenig länger, andere segeln stattdessen direkt ins Blaue.

Buchrezensionen im Zentrum des Entscheidungsspiels

Buchrezensionen helfen Dir nicht nur, die richtigen Bücher zu finden. Oft zeigen sie Dir auch, welche Bücher nicht zu den richtigen gehören und welche nicht Deinen Anforderungen entsprechen. Dies kann zum Beispiel die folgenden Gründe haben:

  • Es handelt sich nicht um Dein Genre. Wer sich vor Liebesschnulzen fürchtet, ist vielleicht mehr an einem Krimi interessiert oder an einem Sachbuch, je nachdem, welche Art von Action er bevorzugt.
  • Der Sprachstil entspricht nicht Deinem Geschmack. Zum Beispiel könntest Du das Vulgäre verabscheuen, ganz gleich, wie passend es für das Buch ist. Du könntest aber auch die Stimme des Autors missbilligen, die leichthin über einen Mord berichtet, vielleicht Genuss zu empfinden scheint, das Krimi-Opfer auszuschlachten.
  • Das Buch weist bspw. grammatikalische Mängel auf. Niemand will ein Buch lesen, von dem er das Gefühl hat, dass er es selbst besser schreiben könnte. Stattdessen will man sich mit Experten umgeben, nicht selten hoffend, dass man dadurch selbst zum Experten wird.

Der erste genannte Punkt lässt sich leicht vermeiden. Willst Du Fantasy, gehst Du in die entsprechende Abteilung, für klassische Literatur gehst Du in eine andere. Doch um die anderen beiden Punkte zu eruieren, bedarf es so manches Mal einer Buchrezension, insbesondere dann, wenn Du eine Online-Bestellung anstrebst und kein Blick ins Buch möglich ist. Und selbst mit einem kurzen Blick ins Buch ist Dir nicht immer geholfen. Auch dann wendest Du Dich jenen zu, die per Buchrezension ihre Meinung dazu äußern.

Auf der Suche nach Antworten

Ich habe schon immer gerne Rezensionen zu Büchern geschrieben, die mich von ihrer Relevanz und Qualität überzeugt haben und die ich Dir vorstellen möchte. Doch es zählt nicht allein, was ich vermitteln möchte. Genauso wichtig ist, was Du vermittelt bekommen möchtest und auf welche Weise.

Aus diesem Grund habe ich, wie in meinem vorigen Beitrag zur Lektüre englischsprachiger Bücher angekündigt, auf Twitter drei Fragen gestellt, die mir mehr Informationen zu diesem Thema liefern sollten:

  • Lest ihr öfter Rezensionen zu Büchern? Diese Frage soll zeigen, ob meine Leser auf Twitter an Buchrezensionen interessiert sind.
  • Würdet ihr englischsprachige Rezensionen lesen? Schließlich gibt es einige englischsprachige Bücher, die ebenfalls sehr lesenswert sind.
  • Nach welchen Kriterien scannt ihr die Rezensionen ab? Wenn die Leser erhalten, wonach sie suchen, kommen sie gerne wieder.

Wie die Ergebnisse dieser Umfragen aussehen, erfährst Du in den nächsten Abschnitten.

Buchrezensionen und ihre Nachfrage

Meine Entdeckungsversuche starteten mit der Frage, ob die Teilnehmer Rezensionen öfter lesen. Es ist nämlich recht zwecklos, Rezensionen zu schreiben, wenn kein Interesse an solchen besteht. Was dabei herausgekommen ist, kannst Du der folgenden Umfrage entnehmen.

Die Umfragenergebnisse haben gezeigt, dass ein Viertel der Teilnehmer keine Buchrezensionen liest, 3 % sogar nur auf eine Bitte hin. Tatsächlich übertrifft dies sogar die 17 %, die Buchrezensionen grundsätzlich lesen. Die deutliche Mehrheit aber, nämlich 55 % der Teilnehmer, lesen Buchrezensionen gelegentlich. Das bedeutet, dass insgesamt 72 % aller Teilnehmer an Buchrezensionen potenziell interessiert sind. Das sind eine Menge! Es besteht keinerlei Zweifel, dass Buchrezensionen somit relevant sind und häufig genug konsultiert werden. Sie zu schreiben, lohnt sich also!

Die Beiträge der Teilnehmer geben zusätzliche Einblicke in die ein oder anderen Lesegewohnheiten von Rezensionen: Einige Leser betonten, dass sie die Rezensionen am liebsten nach der Lektüre des Buches lesen, um möglichen „Spoilern“ und der Beeinflussung durch die Kritik der Rezensenten zu entgehen. Weiterhin gab es einige, die vor dem Kauf ausschließlich negative Kritiken zurate ziehen, um besser entscheiden zu können, ob etwas am Buch sie stören könnte. Gilt nichts zu befürchten, steht dem Kauf nichts mehr im Weg.

Ein Hauptbeweggrund für die Lektüre einer Buchrezension ist dabei die Unentschlossenheit beim Kauf. Oft ist der Leser hin- und hergerissen: Das Buch überzeugt nicht sofort, lässt den Interessenten jedoch genauso wenig wieder los. Die Buchrezension soll ihm einen möglichst eindeutigen Eindruck vermitteln und eventuell seine Erwartungshaltung auf die richtige Fährte führen.

Buchrezensionen der englischen Sprache

Am 13. Juni 2019 verfasste ich meine erste Buchrezension auf englischer Sprache. Im Vergleich zu meinen deutschsprachigen Rezensionen bemerkte ich sogleich eine geringere Anzahl an Aufrufen. Dies motivierte in mir die Frage, inwiefern in meinem Umfeld das Interesse an solchen Rezensionen besteht. Im Folgenden siehst Du das Ergebnis.

Die Resultate dieser Umfrage liegen überraschenderweise nah beieinander. Während 32 % angaben, englischsprachige Rezensionen bereits zu lesen, gaben weitere 32 % an, sich eher weniger englischsprachige Rezensionen zu Gemüte zu führen. Dicht folgen 25 %, die nichts gegen eine solche Rezension einzuwenden hätten. Dabei bleiben lediglich 11 % übrig, die auf keinen Fall zu einer englischsprachigen Rezension greifen würden.

Teilnehmer sagten dazu, dass es zu englischsprachigen Büchern nur selten anderssprachige Buchrezension gibt. Und vor allem dann, wenn der Leser das Buch in Englisch (im Original) zu lesen wünscht, macht ihm eine Rezension in englischer Sprache nichts aus. Wie auch die Umfrage zeigt, kommt es also vor allem darauf an, ob der Leser an der Lektüre englischsprachiger Bücher interessiert ist. In meinem Twitter-Umfeld ist das Interesse deutlich gespalten, aber vorhanden.

Kriterien für nützliche Buchrezension

Da mit den beiden vorangegangen Umfragen das Interesse an Buchrezensionen generell sowie in englischer Sprache entschlüsselt wurde, soll es nun um die Frage nach der Qualität der Buchrezension gehen. Welche Anforderungen die Leser an eine Buchrezension stellen, präsentieren Dir die folgenden Ergebnisse.

Das Erzeugnis dieser Umfrage zeigt, dass die Bewertung der Buchrezension den meisten (37 %) am wichtigsten ist. Darauf folgen jene 32 %, die für den Inhalt und das Thema des Buches gestimmt haben. 25 % sind dabei vor allem an den Gedanken des Rezensenten interessiert. Die wenigsten schauen zuerst auf die textliche Qualität bzw. die Länge des Textes: 6 %.

Die Kommentare der Teilnehmer entschlüsseln diese Stimmabgaben: Der Inhalt hat deshalb so viele Stimmen erhalten, weil die Leser in erster Linie an Büchern bestimmter Genres interessiert sind. Zunächst muss also die Zielgruppe des Buches stimmen. Danach steht die Bewertung des Buches im Mittelpunkt (die schließlich den Zweck einer Buchrezension ausmacht). Der Leser will wissen, ob es ein Buch nach seinem Geschmack ist. Anhand der einzelnen, bewerteten Aspekte gewinnt er einen Gesamteindruck und entscheidet, ob sich die Anschaffung des Buches für ihn lohnt.

Nicht selten spult der Leser dabei zur abschließenden Beurteilung vor, um die Essenz der Buchrezension in nur wenigen Minuten zu erschließen. Es interessiert ihn besonders der Erkenntnis- bzw. Lustgewinn des Buches. Manch ein Leser überprüft auch, ob eine Buchrezension die einzelnen Punkte oberflächlich oder mit einer gewissen Tiefe abarbeitet. Er versucht damit in Erfahrung zu bringen, ob er der Rezension bzw. dem Rezensenten vertrauen kann. Ein weiterer Gesichtspunkt, der die Überprüfung unterstützt und von deutlich weniger Teilnehmern bevorzugt wird, ist die textliche Qualität des Textes. Die Länge des Textes ist dann ein Thema, wenn der Leser sich möglichst schnell eine Meinung bilden will.

Gedanken zum Ablauf der Umfragen

Während der Laufzeit der Umfragen war zu sehen, dass die Teilnahmen zurückgingen, sobald die Fragen spezifischer wurden. Es ist dann nicht mehr so einfach, eine breite Masse anzusprechen.

Doch auch die Zeiten, zu denen Umfragen eingestellt werden sollten, werde ich demnächst beachten. Ich habe den Fehler gemacht, die Umfragen am Wochenende zu starten. Die Leserzahlen auf Twitter gehen dann einerseits deutlich zurück, andererseits verteilen sich die Zugriffszeiten auf den gesamten Tag. Um so viele Stimmen wie möglich zu erzielen, reicht es nicht, die Umfrage regelmäßig zu bewerben. Die Umfrage muss dann erscheinen, wenn die meisten Kontakte mitlesen. Das ist meiner Erfahrung nach der Feierabend innerhalb der Werkwoche (außer Freitag, der praktisch schon zum Wochenende zählt). Die meisten Stimmen erhielt ich, als ich eine Umfrage am Donnerstag um 16:00 Uhr eingestellt hatte.

Gerne würde ich an dieser Stelle allen Teilnehmern herzlich danken, die sich die Zeit genommen haben abzustimmen. Auch möchte ich all jenen danken, die mir hilfreiche Kommentare hinterlassen und die Umfrage immer wieder hervorgehoben haben. Danke! Ihr seid klasse!

Abschließende Beurteilung der kleinen Nachforschung

In der Buchhandlung oder im Internet stoße ich nicht selten auf ein Buch, das mir nur in einigen Ansätzen zusagt. Allein zwischen dem Cover und dem Klappentext können Welten liegen. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Letztere das Werk von Marketing-Kräften sind und sich im Vergleich zum Inhalt ebenso unterscheiden können. Gerade dann, wenn wir uns unsicher sind (denn gerade uns Leseratten lassen so manche Bücher einfach nicht los), kann der Griff zur Buchrezension hilfreich sein.

Bei den drei Umfragen, die auf Twitter stattgefunden haben, ging es darum, wie beliebt Buchrezensionen wirklich sind und mit welchem Fokus sie betrachtet werden. Dabei ist zu beachten, dass sich die Umfragenergebnisse ausschließlich auf die Reichweite meines Twitter-Accounts beziehen. Sofern Deine und meine Kontakte nicht in einer gewissen Weise übereinstimmen, können für Dich und Deine Buchrezensionen ganz andere Maßstäbe gelten.

Nichtsdestotrotz zeigen die Umfragen deutlich, dass Buchrezensionen noch oft gelesen werden und vor allem dann, wenn Zweifel beim Kauf bestehen. In diesem Fall erfreuen sich die Leser vor allem an kürzeren Rezensionen, die den Inhalt und die Bewertung des Buches prägnant in den Vordergrund stellen. Dazwischen gibt es immer wieder Leser, die auch nach der Lektüre gerne über ein Buch nachsinnen und nach detaillierteren Einsichten suchen, die sie besprechen können. Englischsprachige Rezensionen werden gelesen, wenn auch das Interesse an einem englischsprachigen Buch besteht.

Notwendigkeit gewisser Maßstäbe

Der Beitrag hat sich besonders mit der Hilfe befasst, die die Buchrezensionen für den potenziellen Leser darstellen können. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass Buchrezensionen heutzutage insbesondere als Werbung zu verstehen sind, die den Leser auf ein Werk aufmerksam machen sollen. Zu unterscheiden sind hier zudem bezahlte Werbung und aus freien Stücken veröffentlichte Buchempfehlungen bzw. -warnungen. In allen Fällen sollten Buchrezensionen bestimmten Vorgaben entsprechen, nach denen der Leser die für sich interessanten Informationen herausfiltern kann.

Für mich bedeutet das, dass ich mich in meiner Vorgehensweise bestätigt sehe, anstelle von Buchrezensionen weiterhin Buchempfehlungen zu schreiben. Ich mache Dich also lediglich auf Bücher aufmerksam, die ich Dir ans Herz legen möchte. Auch werde ich Dir weiterhin zeigen, weshalb mich diese Bücher so begeistert haben. Ich werde lediglich versuchen, noch weniger zu verraten und entsprechende Passagen mit einem „Spoiler-Altert“ zu versehen. Schließlich sollst Du im Nachhinein nicht das Gefühl haben, das Buch in seiner Fülle bereits zu kennen.

Die Freude am Buch entsteigt dem Bewusstsein, das Buch letztendlich selbst zu entdecken!

Über Naomi

Schon während meines Masterstudiums in Literatur- und Sprachwissenschaft begann ich, meine ersten Ideen zu präzisieren und meine Begeisterung in das wundersame Terrain der Spiritualität fließen zu lassen. Parallel zu meiner damaligen Tätigkeit als kreative Texterin entdeckte ich schnell die Brücke, die Kreativität und Spiritualität miteinander verbindet. Heute habe ich meinem Herzenswunsch nachgegeben und setze meine eigenen Visionen, Ideen und Flausen um, wie Du unschwer erkennen kannst! ;-)

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