Blätterteich

Es fühlt sich nicht immer leicht an, die eigenen Ziele zu verfolgen. Um uns herum herrscht ein chaotischer Wirbel voller Einflüsse, deren einziger Zweck es zu sein scheint, uns unter ihnen zu begraben. Dieses Gefühl beschleicht mich schon seit einigen Monaten. In Eile verlasse ich morgens das Haus und abends schleppe ich mich zurück. Die vielen, bislang noch nicht erschienen Blogartikel zeugen von dieser Art der Existenz.

Eines Nachmittags schlurfte ich zur Bushaltestelle, den Blick „beständig“ und „aufmerksam“ auf den Boden gerichtet. Es dauerte nicht lange, bis mich ein Windhauch erfasste und nachfolgend die gefallenen Blätter zu meinen Füßen zu neuen Höhen emporjagte. Ich beobachtete das Geschehen und ließ es geschehen, bis eine kleine, emsige Ameise in mein Blickfeld rückte. Sie trug ein winziges, grünes Blättlein auf dem Rücken, das im völligen Kontrast zu dem sonst rötlich-braunen Laub stand. Obwohl der Wind es ihr nicht leicht machte, bewegte sie sich entschlossen auf ihr Ziel zu: das saftig-grüne Gras am Wegesrand.

In diesem Moment wurde mir schmerzlich bewusst, dass es dieser klitzekleinen Ameise, trotz der „Blätter“, die ihr in den Weg „geblasen“ wurden, gelang, ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und ihm mit scheinbarer Leichtigkeit entgegenzutänzeln. Ganz im Gegensatz zu mir.

Ein Teich aus Blättern
Es gibt Teiche, in deren klarer Oberfläche wir uns aus freien Stücken verlieren, beglückt und geruhsam. Und dann gibt es Teiche, die uns vereinnahmen und ihre undurchsichtigen Arme vor unseren Augen zu verschränken drohen.

Dieses kleine Tierchen wusste von Anfang an, dass ein jedes Chaos nicht das Ende ist, sondern eine Öffnung für einen bizarren Zwischenweg. Uns verwirrt und ängstigt, was wir nicht sofort sehen oder begreifen können. Tatsächlich besteht eine gewisse Leichtigkeit in allem schwer Geglaubten. Und wir finden sie nicht, indem wir vor dem Chaos fliehen, sondern indem wir mitten in es hineinlaufen.


Umzingelt von kalt-knisterndem Laub,
bricht der Wind wie Donner entzwei.
Seine tobende Macht schöpft Staub
und eine Ameise verfällt in Treiberei.

Sie umschlingt ihre treue Last, flitzt,
bang angesichts des unseligen Geleits.
Vor ihr thront das grüne Eden, es blitzt,
und fern glimmen die Träume, abseits.

Immer wieder erzittert das Erdenreich
und die Ameise flüchtet, Böses ahnend,
mitten in den luftgeladenen Blätterteich,
plätschernd fließende Wege bahnend.

Mit pochendem Herzen verfolgt sie ihr Ziel,
mit einer Entschlossenheit, die Feuer fängt.
Nach glühendem Blinzeln endet das Spiel,
als ein Windstoß sie sacht‘ ins Grüne drängt.

Über Naomi

Schon während meines Masterstudiums in Literatur- und Sprachwissenschaft begann ich, meine ersten Ideen zu präzisieren und meine Begeisterung in das wundersame Terrain der Spiritualität fließen zu lassen. Parallel zu meiner damaligen Tätigkeit als kreative Texterin entdeckte ich schnell die Brücke, die Kreativität und Spiritualität miteinander verbindet. Heute habe ich meinem Herzenswunsch nachgegeben und setze meine eigenen Visionen, Ideen und Flausen um, wie Du unschwer erkennen kannst! ;-)

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