Liebesschleifen

Schillernde Augenblicke beinhalten nicht zwangsläufig schillernde Farben und ein Gefühl puren Glücks bzw. wundersamer Faszination. Hin und wieder poltern wir in einen Moment hinein, der eine in Grau getünchte Aura ausstrahlt und dennoch auf eigentümliche Weise nach unserer Aufmerksamkeit greift.

Zu schillern bedeutet nicht, das gesamte Farbenspektrum hinauf- und hinunterzuleuchten. Es bedeutet, dass jede einzelne Facette, sei sie leuchtend weiß oder triefend schwarz, den Zauber eines solchen Moments ausmachen kann. Diese Erkenntnis wird durch den zusätzlichen Aspekt multipliziert, dass wir Menschen die Augenblicke mit unserer eigenen, individuellen Perspektive belichten. Niemand wird Dein Erlebnis so wahrnehmen wie Du und es demnach nicht auf dieselbe Weise wiedergeben. Selbst im Alltag finden wir schillernden Reichtum.

Maibaum - Zeichnung von Jens Oelker
Aus allem vermeintlich Unscheinbaren winken die Inspirationen. Eine Zeichnung vom Künstler Jens Oelker. Dankeschöön!

Gerade weil jener Augenblick, den ich mit diesem Gedicht beschreibe, schattenreicher ist als sonst, fiel es mir nicht leicht, die richtigen Worte zu finden. So entstanden über mehrere Wochen verschiedene Versionen des Erlebten. Mein Ergebnis zeigen die „Liebesschleifen“.


Vor grau belichteten Backsteinformationen
pulsieren pastellfarbene, schlichte Bänder,
schaudernd, in schmächtigen Baumkronen,
befestigt an einem kalten, eisernen Geländer.

Verschenkt wird der Baum im Mai aus Liebe,
gefällt und geschmückt, für ein kurzes Fest.
Ist es der Ursprung traditionsbedingter Triebe,
das das Geschenk fernab verderben lässt?

Im trägen Fluss bunter Liebesschleifen
schmiegen sich die Äste in des Windes Hände,
als würden sie nach den Passanten greifen,
unfähig zur Überwindung stiller Abstände.

Ausgeklinkt vom Geschehen, in Träumen,
widersteht das Symbol den matten Perioden.
Mit einem letzten, erschöpften Aufbäumen
löst sich das erste Blatt. Es fällt zu Boden.

Über Naomi

Schon während meines Masterstudiums in Literatur- und Sprachwissenschaft begann ich, meine ersten Ideen zu präzisieren und meine Begeisterung in das wundersame Terrain der Spiritualität fließen zu lassen. Parallel zu meiner damaligen Tätigkeit als kreative Texterin entdeckte ich schnell die Brücke, die Kreativität und Spiritualität miteinander verbindet. Heute habe ich meinem Herzenswunsch nachgegeben und setze meine eigenen Visionen, Ideen und Flausen um, wie Du unschwer erkennen kannst! ;-)

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